Jahrzehntelang hat „Onkel Anton“ mit einem lauten Knall das Königsschießen in Bodenwerder eingeleitet. Nun soll er beim Lichterfest am kommenden Samstag für eine Überraschung sorgen.
Dieses Jahr begeht der Schützenverein Bodenwerder sein 510-jähriges Bestehen. Er ist damit der älteste Verein im Landkreis Holzminden und einer der ältesten Schützenvereine in Deutschland.
Das Jahr 1952 war für den Schützenverein Bodenwerder in mehrfacher Hinsicht ein besonderes Jahr. Schießen mit großkalibrigen Waffen war von der damaligen Militärregierung noch verboten. Deshalb wurde von den Schützen das Schießen mit Kleinkalibergewehren im Keller des Hotels le Plat wieder aufgenommen. In diesem Jahr fand erstmals nach den Kriegs- und Nachkriegsjahren auch das erste Schützenfest statt. Dabei durften erstmals Nichtmitglieder auf die „Volksscheibe“ schießen.
Und wie Zeitzeugen berichten, begann in diesem Jahr ebenfalls der Bau eines Böllergeschützes - „Onkel Anton“.
Auf dem Gelände des Holzwerk Möller (Karl-Heinz Möller war zu der Zeit Vorsitzender des Schützenvereins) 2in der Rühler Straße wurde die Kanone geplant und letztendlich 1954 (das offizielle Baujahr) zusammengebaut. Schlosser Willi Gömann hatte damals den Verschluss auf der Drehbank hergestellt und war auch sonst federführend an dem Bau beteiligt. Und dann bekam die Salut-Kanone – so die offizielle Bezeichnung - auch seinen Namen: „Onkel Anton“, benannt nach dem Schützenmitglied Anton Reese (Schluck-Reese).
Die Beschussbescheinigung der Salut-Kanone gibt als zulässige Gebrauchsladung und Vorlage 250 Gramm Böllerpulver und 40 Gramm Kork/Papier sowie das Kaliber von 82mm an. Und neben dem Prüfzeichen des Eichamt Hannover wurden auch das Niedersachsenross und die „88“ als Jahreszahl des Beschusses eingetragen. Für das Abfeuern der Salut-Kanone ist neben einem Schwarzpulverschein auch eine wiederkehrende Beschussbescheinigung der Kanone erforderlich. Derzeit gibt es aber kein Mitglied des Schützenvereins, der diese Bedingung erfüllt, weshalb Onkel Anton auf seinen nächsten Einsatz im Keller wartet. Und der könnte in diesem Jahr beim Lichterfest in Bodenwerder erfolgen. Über die Art und Weise wird aber gegenüber der Öffentlichkeit noch Stillschweigen gewahrt.
Reinhard Borchers